Takaful - die islamische Versicherung

Risiko reduzieren, aber halal!

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16.11.2017|Islamic Finance
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Eine Möglichkeit das Risiko eines Verlustes aufgrund von Unglücksfällen in der modernen Wirtschaft zu reduzieren, ist die Versicherung. Das Konzept der Versicherung, in dem Geldmittel zur Unterstützung der Bedürftigen zusammengefasst werden, ist in ihren Grundzügen im Einklang mit den islamischen Prinzipien.

Im folgenden Blog werden wir jedoch einige wichtige Aspekte aufführen, die eine islamische von einer konventionellen Versicherung unterscheidet.

Nicht nur Finanzinstrumente, wie Investments oder Finanzierungen, sind islamkonform anzupassen, sondern auch Versicherungen. Die Version einer islamkonformen Versicherung wird als Takaful bezeichnet.

Merkmale einer islamkonformen Versicherung:

Takaful kann der Begrifflichkeit nach als eine Solidargemeinschaft der Mitglieder bzw. als eine Art Genossenschaftsprinzip verstanden werden. Die Mitglieder sind sowohl an den Gewinnen als auch an den Verlusten beteiligt. Der Kern des Takaful-Prinzips besteht in der ehrlichen Absicht und Aufrichtigkeit der Vertragspartner.

Die konventionellen Versicherungsstrukturen sind aus verschiedenen Gründen, die wir später aufführen werden, nicht islamkonform bzw. ist, um eine Islamkonformität zu gewährleisten, eine Anpassung unerlässlich.

Sowohl die konkrete Verwendung der eingezahlten Prämien als auch die Überschussverwendung sind nach den Islamic Finance Regeln auszuführen.

Die folgenden Kernelemente bringen die Takaful in Einklang mit dem Islamic Finance:

    • Gemeinsame Risikoteilung zur Absicherung der Mitglieder
    • Aufnahme eines Spenden- bzw. Stiftungskonzepts zur Eliminierung der Spekulationsgeschäfte auf ungewisse Ereignisse (Gharar) bei Versicherungsabschlüssen
    • Vermeidung von Zinsgeschäften (Riba) und Vermeidung der Nutzung von Versicherungsgeschäften als quasi Glücksspiel bzw. unlautere Gewinnerzielung (Maysir)
    • Klare Funktionstrennung zwischen Mitglied und Versicherungsunternehmen
    • Differenzierung der Gelder zwischen Shareholder und Versicherungsnehmer
    • Ausgleich von versicherungstechnischen Überschüssen an die Mitglieder der Versichertengemeinschaft
    • Einhaltung aller Transaktionen und Anlageprämissen bei den Investments der Versicherungsgelder nach den Islamic Finance Normen

Die Strukturierung von Takaful kann auf verschiedenen islamischen Finanzmodellen aufbauen. Zwei dieser Modelle sind in der Praxis von besonderer Bedeutung und werden im Folgenden vorgestellt:

I. Islamkonforme Versicherung nach Mudaraba

Besonders beim Mudaraba-Verfahren gilt die strenge Trennung zwischen Versicherungsgesellschaft und Versicherungsnehmer. Im Bereich Takaful sind die Versicherungsnehmer die Kapitalgeber und die Versicherungsgesellschaft der Operator und Verwalter, genauer formuliert, ist die Gesellschaft zuständig für das Inkasso der Beiträge, die Unternehmensführung, die Gestaltung und Ausführung der Versicherungsverträge und für die Zahlung der Versicherungsansprüche. Hinsichtlich der erzielten Gewinne wird im Vorfeld ein entsprechendes Verhältnis zwischen den Parteien vereinbart.

II. Islamkonforme Versicherung nach Wakala

Das Wakala-Modell funktioniert gewissermaßen wie ein Agenturvertrag. De facto erhält die Versicherungsgesellschaft für Ihre Tätigkeit eine fixe Vergütung. Die sogenannte Wakala-Gebühr wird von den geleisteten Versicherungsprämien abgerechnet. Sonstige Erträge bzw. Überschüsse sind wiederum an die Versicherungsnehmer auszuschütten.

Der Unterschied zu konventionellen Versicherungen

Konventionelle Versicherungen beinhalten diverse Komponenten, welche in der islamischen Rechtswissenschaft verboten sind. So sind sie in ihrer verfügbaren Form nicht islamkonform und folglich keine Alternative. Die Kommission islamischer Gelehrter teilt diese Problematik in drei Hauptelemente auf:

Unsicherheit | Spekulation (Gharar)

Ein herkömmlicher Versicherungsvertrag ist im Grunde ein Tauschgeschäft, d.h. ein Kauf- und Verkaufsgeschäft. Die Police (Entschädigung) stellt die Ware dar, die an den Versicherungsnehmer verkauft wird und die Prämie des Versicherungsnehmers ist der Preis oder die Gegenleistung für diese Ware. Aus Sicht des Islamic Finance beinhalten die konventionellen Versicherungen Elemente von Gharar (Unsicherheit und Spekulation). Gharar entsteht dadurch, dass zu Beginn der Vertragslaufzeit nicht feststeht, ob und wenn ja, wann und in welcher Höhe ein Schaden überhaupt eintritt. Hier wird zwar kein neues Risiko geschaffen, aber es wird ein bereits bestehendes Risiko verringert oder eliminiert. Tritt ein Schaden nicht ein, gewinnt die Versicherungsgesellschaft den eingezahlten Betrag der Versicherten. Diese Tatsache bringt daher einen Unsicherheitsfaktor in Bezug auf den Gegenstand des Versicherungsvertrags mit sich und ist im Islamic Finance nicht erlaubt.

Glücksspiel (Maysir)

Die zweite Komponente konventioneller Versicherungen, die gegen die Islamic Finance Kriterien steht, ist der Wettcharakter. Die Versicherer hoffen, dass bestimmte Umstände (Schadenfälle) nicht eintreten und so weitere Gewinne für die Versicherer entstehen. Tritt der versicherte Schaden nicht ein, so verliert der Versicherungsnehmer die Prämienzahlung. Auf der anderen Seite weist die Versicherungsgesellschaft Defizite/Verluste auf, wenn der Schadensfall höher als die eingezahlten Prämien des Versicherungsnehmers ist. Was allerdings die Erhöhung der Beiträge für die zukünftigen Perioden bedeutet.

Zinsen (Riba)

Das Verbot von Zinsen ist von zentraler Bedeutung im Islamic Finance. Alle Verträge und Transaktionen müssen frei von Zinselementen sein.

Ein konventionelles Versicherungsunternehmen jedoch legt einen großen Teil der eingenommenen Prämien in verzinsliche Wertpapiere oder Konten an.

Folgerichtig stellen konventionelle Angebote für prinzipienorientierte Interessenten keine passende Lösung dar.

Das Islamic Finance widerspricht lediglich der Funktionsweise konventioneller Versicherungen, jedoch nicht dem Absicherungs- und Vorsorgegedanken und der gegenseitigen Unterstützung zu Schweren Zeiten und Schicksalsschlägen. Es verstößt auch nicht gegen Vorsorgemaßnahmen, um mögliche Gefahren und Risiken abzuwehren. Die islamischen Quellen fordern sogar in erster Linie die Vorsorge zur Absicherung von Risiken.

So antwortete der Prophet Muhammad auf Anfrage eines Beduinen, ob dieser sein Kamel anbinden oder auf Gott vertrauen soll, mit der bekannten Aussage: „Binde es fest und vertraue auf Allah.“ (Sunan At Tirmidhi #2517, hasan).